Freispringen

Jeden Tag dasselbe?

Gerade im Winter gibt es nichts Schlimmeres für
Reiter UND Pferd, jeden Tag die gleiche Arbeit in
der Halle zu verrichten.

Da ist nun der Einfallsreichtum des Reiters gefragt…

Nicht nur als schöne Abwechslung zum Reiten
oder Longieren, sonder auch zur Gymnastizierung
des Pferdes, dient das Freispringen.

Ob Springpferde, Dressur- oder Freizeitpferden, Freispringen bietet die Möglichkeit Kopf und Geist des Pferdes zu trainieren, ebenso lernen die Pferde Sprünge selber zu taxieren und hinzuschauen.

Für junge Pferde ermöglicht das Freispringen schon einmal ohne Sattel und Reiter Kontakt mit dem Stangenwald aufzunehmen, es bereitet den Körper des Pferdes, die Sehnen und Knochen auf kommende Belastungen vor.

Auch ältere Pferde lieben häufig das Freispringen als Alternative zum normalen Training in der Halle und schon mancher Reiter war überrascht, wie viel Motivation sein Pferd hierbei an den Tag legt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Freispring-Reihe aufzubauen, je nach Ausbildungsstand des Pferdes, aber auch nach Temperament und zur Verbesserung der Koordination können die Sprünge variieren (In-Out, Steilsprung, Oxer) wobei man immer sowohl die Fähigkeiten des Pferdes im Augen behalten sollte, als auch den Zweck, den die Übung nach Möglichkeit erfüllen soll.

Grade für junge und unerfahrene Pferde sollte eine Gasse gebaut werden, durch die die Pferde geschickt werden. Ein Ausbrechen zwischen den einzelnen Hindernissen wird somit weitestgehend vermieden. Die Gasse sollte am besten mit breiten Fängen oder mit Stangen abgegrenzt werden, die bei einem Durchlaufen des Pferdes nachgeben und bei einer Verweigerung auch jederzeit geöffnet werden können, um das Pferd herauszuführen.

Die Sprünge werden an der langen Seite der Reithalle aufgebaut, im besten Fall sind Bandenhalterungen vorhanden, andernfalls kann man zur Bande hin Fangständer stellen, damit verhindert werden kann, dass das Pferd versucht zwischen Ständer und Bande zu springen.

Als grobe Richtlinie kann man die folgenden Abmessungen zwischen den einzelnen Sprüngen nehmen:

In-Out:                       3,00 m –   3,50 m
1 Galoppsprung:       6,80 m –   7,50 m
2 Galoppsprünge:   10,50 m – 11,00 m

Ein absolutes Muss beim Freispringen ist ein gut vorbereitetes Pferd. Kein Pferd sollte einen sogenannten Kaltstart machen, da hierbei Sehnen und Bänder großen Schaden nehmen können. Vor dem Freispringen heißt es also das Pferd gut aufzuwärmen, entweder durch abreiten oder -longieren.

Grundsätzlich sollten mindestens zwei Personen in der Bahn sein, wobei einer zu Beginn der Gasse steht und dafür sorgt, dass das Pferd richtig an den ersten Sprung heran geht, und einer am hinteren Sprung, um evtl. unterstützend einwirken zu können.
Unter Umständen ist es sinnvoll, grade bei heftigen Pferden, diese an den ersten Sprung anzuführen, dadurch gehen die Pferde ruhiger und meistens mit mehr Übersicht an die Sprungfolge heran.

Im Vordergrund sollte immer die Sicherheit und die Gesundheit des Pferdes stehen, weshalb ggf. auch die Abmessungen zwischen den Sprüngen verändert werden sollten, sofern man bemerkt, dass das Pferd nicht passend zum Sprung kommt.
Lieber einmal zuviel die Sprünge verändern, als das man eine Verletzung des Pferdes in Kauf nimmt.

Ausrüstung des Pferdes:
- Gamaschen für die Vorderbeine
- Streichkappen für die Hinterbeine
- Springglocken
- ggf. Halfter / Trense (je nach Pferd)

Ausrüstung der beteiligten Personen :
- Peitsche
- ggf. Handschuhe

Anregungen und Beispiele für verschiedene Freispring-Reihe findet man im Internet, wobei man auch beachten sollte, dass die Abmessungen immer grobe Richtlinien sind und evtl. entsprechend dem jeweiligen Pferd angepasst werden müssen.
Selbstverständlich sollte auch sein, dass eine erfahrene Person, sowohl beim Aufbau, als auch beim eigentlichen Freispringen dabei sein sollte.

Teilweise entwickelt sich ein Freispring Termin sogar zu einer Art „Stall-Event“, bei dem viele Leute, auch wenn sie nicht selber mitmachen, zum zuschauen kommen.
Und wenn es dann noch Kuchen und heißen Kakao (oder Glühwein) gibt, ist ein kalter Wintertag in der Reithalle nur noch halb so schlimm….

 

Zirkuslektionen – mehr als nur ein bisschen Show

Teil III – Kompliment und Knien

Das Kompliment wird gerne als DIE Grundlektion bezeichnet. Es ist Grundlage für alle Lektionen, die nach unten gehen und bevor diese nicht problemlos sitzen, sollte man über Lektionen über dem Boden gar nicht nachdenken um unnötige Probleme zu vermeiden. Sprich egal was ist: Am Kompliment kommt man einfach nicht vorbei!

Für viele Pferde ist das Kompliment ein ziemlicher Knackpunkt. Zum ersten Mal wird das Vertrauen zwischen Pferd und Ausbilder im Bereich Zirkuslektionen auf die Probe gestellt. Zum ersten Mal soll sich das Pferd in eine Position begeben, aus der es nicht sofort fluchtbereit ist. Es muss sich anvertrauen. Für ein Fluchttier ist das gar nicht so einfach. Je besser wir uns und das Pferd also vorbereitet haben, je besser wir alle Voraussetzungen erfüllen, desto einfacher wird es an diesem Punkt werden.

Beim Kompliment verbeugt sich das Pferd.Anders als beim Blie wird jedoch nur ein Vorderbein durchgestreckt, das zweite Bein wird angewinkelt abgelegt. Der Rücken ist im Idealfall gut aufgewölbt und der Kopf wird vorne tief getragen um das Aufwölben des Rückens zu unterstützen und das Gleichgewicht besser halten zu können. Der am häufigsten auftretende Fehler ist das Runterfüttern mit Kopf zwischen den Beinen. So macht das Pferd schnell einen ungesunden Kopfstand und schön aussehen tut es auch nicht. Daher: Kopf vor! Es empfiehlt sich den Kopf eher seitlich neben die Schulter zu dirigieren, auf deren Seite das Pferd das Bein anwinkelt. Das erleichtert ihm den Bewegungsablauf und eine korrekte Ausführung

Die Hinterhand sollte die Last tragen und dafür gut unter dem Schwerpunkt stehen. Das Gewicht wird im Bewegungsablauf nach hinten verlagert ohne dabei einen Ausfallschritt zu machen. Eben so, wie das Pferd es im Idealfall beim Plie bereits gelernt hat.
Um es sich und dem Pferd zu erleichtern, kann man zunächst damit beginnen dem Pferd beizubringen auf Touchieren hin das Bein zu heben und so lange oben zu halten wie die Gerte anliegt. Eine andere Möglichkeit ist das Runterführen des angewinkelten Beines mit der Hand. Bei Pferden, die Zügelhilfen bereits kennen, hat es sich zum Teil als vorteilhaft erwiesen über die Zügel einen Impuls nach hinten zu geben und sie so zu animieren das Gewicht zu verlagern.

Für die ersten Versuche in Richtung Boden, greift der ein oder andere Ausbilder gern zur Beinlonge. Dies sollte aber nur nach vorheriger Erläuterung durch einen Profi erfolgen. Eine Beinlonge sollte nie benutzt werden, wenn man im Umgang damit nicht geschult wurde. Ansonsten Finger weg!

Beliebte und günstige Touchierpunkte sind die Vorderbeine oder auch die Schulter.

Das Knien

Bei Knien winkelt das Pferd im Gegensatz zum Kompliment nicht nur eins sondern beide Vorderbeine an. Diese Lektion baut daher auf dem Kompliment auf und ist ein wichtiger Schritt hin zum Ablegen des Pferdes.
Bevor man ans Knien geht, sollte das Pferd das Kompliment beidseitig sicher und gut nur auf Touchieren und Stimmkommando hin beherrschen. Dann ist es oft schnell erlernt.
Man fordert zunächst das Kompliment, gibt dann am ausgestreckten Bein ebenfalls die Touchierhilfe fürs Kompliment und wenn dieses entsprechend sitzt, die Vorarbeit also gut gemacht wurde, wird das Pferd das Bein anziehen und abwinkeln. In der Praxis ist das oft schwerer als es sich theoretisch anhört, was oft aber auch daran liegt, dass es an der Vorarbeit hapert. Bei den ersten Versuchen empfiehlt es sich unter Umständen zusätzlich zur Gertenhilfe Hand anzulegen und den Bewegungsvorgang entsprechend zu unterstützen.

Auch beim Knien sollte möglichst viel Gewicht durch die Hinterhand getragen werden, damit die aufgestützten Kapalgelenke entlastet werden.

Warum Reitunterricht wichtig ist

Warum_Reitunterricht_wichtig_istEin Pferd kostet Geld – das ist unbestritten! Zusätzlich noch Geld in Reitunterricht investieren? Nicht alle Reiter können es, aber würden es gerne tun. Die, die es können, wollen nicht.
Warum es sich durchaus lohnt  und Vorteile deutlich überwiegen – wenn für manche vielleicht auch erst auf den zweiten Blick.

Gute Reitlehrer sind selten und guter Unterricht ist teuer?!

Weit verbreitet sind sie, die Gerüchte! „Gute Reitlehrer sind selten“.oder „Guter Unterricht ist teuer“ – jeder hat solche Sätze schon mal zu Ohren bekommen.

Hier macht es natürlich einen großen Unterschied, ob man ausschließlich bei Landestrainern trainieren will – die sind rar und haben ihren Preis, der – durch guten Unterricht – oftmals legitim und durchaus berechtigt ist. Nicht alle Reitlehrer müssen Landestrainer sein, um guten Unterricht geben zu können. Für viele ist es ein lukrativer Nebenverdienst. Sie geben Reitunterricht zu einem „vernünftigen“ Preis und freuen sich, wenn sie Pferd und Reiter durch ihre Erfahrungen helfen können. Solche Reitlehrer wollen natürlich erst einmal gefunden werden, aber es gibt sie tatsächlich noch! Wer suchet, der findet!
Hier muss jeder Reiter für sich klären, was seine Ansprüche sind und – falls er nicht fündig wird — gegebenenfalls eine Komponente ändern.

Reitunterricht ist Teamarbeit

Hat man einen (vermeintlich) geeigneten Reitlehrer gefunden, der sich mit den Ansprüchen deckt, kann es zur Probestunde gehen:
Allem voran steht die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten zu wollen. Hierbei sollte keinesfalls auf ein klärendes Einführungsgespräch verzichtet werden – es lässt schnell erkennen, ob Reitlehrer und sein potentieller Schüler auf gleicher Wellenlänge schwimmen: Vielleicht haben beide andere Vorstellungen, andere Ziele? Hier müssen sich beide Parteien einig sein – es muss eine gemeinsame Richtung ausgearbeitet werden, in die es künftig gehen soll.

An dieser Stelle sei angemerkt: Pferd und Reiter müssen sich wohlfühlen und es sollte immer zum Wohle des Pferdes gehandelt werden.

Reitunterricht ist vor allem pädagogisch unterstützend

Man muss sich vor Augen halten, dass der Reitlehrer es nicht besser machen will, das ist eigentlich auch nicht seine Aufgabe. Vielmehr möchte er Pferd und Reiter ein Stück auf ihrem Weg begleiten. Gemeinsam freuen sich er und sein Schüler über Fortschritte, gemeinsam werden Tiefen durchstanden und bewältigt.

Anweisungen – die immer in ruhigem Ton gegeben werden sollten – dürfen vom Reitschüler nicht als Kritik, sondern sollten als Tipps oder Hilfestellung aufgefasst werden, um erfolgreich zusammenarbeiten zu können. Fühlt sich der Reiter kritisiert, blockt alles an ihm ab, er verschließt sich. Das Pferd tut es ihm gleich (Pferde sind für Stimmungen der Menschen sehr empfänglich) und der Erfolg lässt lange auf sich warten. Um ein solches Szenario zu vermeiden, sollte bei der Wahl des Reitlehrers und der Unterrichtsform viel Wert auf Sympathie gelegt werden.

Gute Reitlehrer merken, wann sie unterstützen können. Gute Reitlehrer kennen ihre Reitschüler genau: Sie  ermutigen, wenn es die Situation erfordert, sie zeigen kleinste Fehler auf, vor allem aber loben sie, wenn es notwendig und richtig ist. Lob erhält den Spaß an der Arbeit.

Reiter und Reitlehrer mit dem Pferd im Trialog

Nur der Reiter spürt, was sein Pferd genau jetzt in diesem Moment braucht. Der Reitlehrer sieht, wie das Pferd unter dem Reiter geht, wie es sich bewegt und was es brauchen könnte (!). Ihm kommt primär die Aufgabe zu, den Reiter zu unterstützen.

Der Reitlehrer erkennt plötzlich andere Probleme oder Probleme, die vorher gar nicht existierten, da sie für den Reiter nicht vorhanden waren – er hat sie einfach nicht gesehen.
Hier können mit Hilfe des Reitlehrers neue Lösungsansätze gefunden werden. Reitlehrer haben oftmals mehr Erfahrungen, mit denen sie helfen können, Probleme bei Pferd, Reiter oder bei beiden zu lösen.

Betont werden sollten neben „Schwächen“ des Pferd-Reiter-Paares immer auch Stärken, auf die aufgebaut werden kann. Der Reitlehrer hat oftmals einen objektiven Blick auf Pferd und Reiter und sieht in beiden Stärken, über die sich letztere gar nicht bewusst waren. Das schafft neues Selbstvertrauen.

Deshalb ist der regelmäßige Austausch zwischen Reiter und Reitlehrer um, über und mit dem Pferd so wichtig. Die gemeinsame Arbeit ist meist für alle Beteiligten – Reiter, Pferd und Reitlehrer — sehr bereichernd, neue Erfahrungen können gemacht und Beziehungen zwischen Mensch-Mensch und Mensch-Pferd aufgebaut beziehungsweise vertieft werden.

, welcher Ansprüche deckt, Spaß macht und reiterlich sowie persönlich weiterbringt – gut investiertes Geld für eine schönere, harmonische Zukunft mit dem Partner Pferd!

 

Zirkuslektionen – mehr als nur ein bisschen Show

ZirkuslektionenTeil II – Der Einstieg und das Plie

Die Voraussetzungen stimmen und nun soll es endlich losgehen. Nur wie?

Zunächst einmal sollten Mensch und Pferd so gut wie möglich ausgerüstet sein – dafür brauch es auch nicht viel:

Das Pferd trägt ein gut sitzendes Halfter tragen, das mit einem etwas längeren Strick kombiniert wird um genug Reichweite zu haben.

Der Mensch sollte aus Sicherheitsgründen auf Handschuhe nicht verzichten, dazu kommt eine Gerte um Touchierhilfen entsprechend einsetzen zu können. Belohnungen wie Leckerlis oder Möhren etc befinden sich Griffbereit in Hosentaschen, einem Leckerlibeutel am Gürtel oder einer Bauchtasche.

Nun kann es eigentlich losgehen – eigentlich! Denn wie im ersten Teil bereits erwähnt sollte sich das Pferd nun zunächst einmal aufwärmen. Da das dem Menschen auch nicht schaden kann, kann das zirkusinteressierte Pferd-Mensch-Team nun zunächst gemeinsam ein paar Runden im Schritt und Trab drehen und vielleicht die ein oder andere Gehorsamsübung aus unserer Liste im ersten Teil noch einmal abrufen. So stellt man schon ein wenig Konzentration her und hat es dann später leichter wenn es an etwas Neues geht.

Natürlich sind Lektionen wie ein imposantes Steigen oder ein flüssig ausgeführter Spanischer Schritt etwas wunderbares und beeindruckendes. Aber sie sind auch nicht ganz ungefährlich und nicht für jedes Pferd geeignet, da sie sich aus dem Imponiergehabe ableiten. Es empfiehlt sich demnach also zunächst mit den Lektionen nach unten zu beginnen.

Die Basislektion ist hier eine Verbeugung des Pferdes mit nach vorn ausgestreckten Vorderbeinen (siehe Bild).

Das sogenannte Plie ist die Vorübung zum Kompliment, welches wiederum die Grundlage für alle Zirkuslektionen nach unten darstellt. Somit beginnen wir also mit einer ganz entscheidenden Basislektion. Wie bei allen Zirkuslektionen ist es daher besonders wichtig sehr sorgfältig zu arbeiten und die Lektion gut zu festigen. Je besser und sicherer diese ausgeführt wird, desto besser werden auch die darauf folgenden Lektionen und desto einfacher lassen sich diese dann erarbeiten. Je mehr Zeit man sich für einzelne Lektionen nimmt, desto besser kommt man letztendlich voran.

Das Pferd lernt in dieser Übung nun die Vorderbeine durchzustrecken, Last auf der Hinterhand aufzunehmen und den Rücken aufzuwölben. Wir haben also einen nicht ganz unwesentlichen gymnastizierenden Effekt. Im Gegensatz zum Kompliment darf und soll der Pferdekopf hier zwischen den Vorderbeinen gen Boden geführt werden um ein optimales Aufdehnen und Strecken der langen Rückenmuskeln zu ermöglichen.

So besteht diese Lektion also daraus das Pferd im Stand zu veranlassen den Kopf zwischen den Voderbeinen hindurch nach hinten/unten zu strecken. Es soll dabei mit allen 4 Hufen auf der Stelle stehen bleiben und lediglich sein Gewicht auf die Hinterhand verlagern. Es kann durchaus passieren, dass das Pferd zunächst hier und da die Beine etwas umsetzt. Geduld haben und beharrlich bleiben! Es ist wichtig, dass das Pferd die Chance bekommt die eigene Balance zu finden. Der ein oder andere kleine Ausfallschritt ist ein Testen welche Position die geeignetste ist. Man kann es dem Pferd daher leichter machen indem man es vor Beginn möglichst günstig aufstellt. Hufe parallel und vorne möglichst nicht zu eng nebeneinander, damit Kopf und Hals auch Platz haben.
Zu einem zuvor ausgesuchten Stimmkommando kommt dabei eine entsprechende Touchierhilfe. Ein beliebter Touchierpunkt für die Gertenhilfe ist bei dieser Lektion die Bauchunterseite auf Höhe der Gurtlage. Das Pferd wird mit einer Möhre oder ähnlichem animiert den Kopf zwischen die Vorderbeine zu stecken. Hier sind kleine Schritte wichtig! Zunächst wird bereit belohnt, wenn die Nase sich zwischen den Vorderbeinen befindet, dann fordert man nach und nach etwas mehr.

Erst wenn diese Übung sauber und sicher ausgeführt werden kann, sollte man zur nächsten Lektion übergehen.

Roping – der schnelle Sport der Cowboys

RopeingRoping oder zu gut Deutsch: das Kälberfangen mit einem Lasso, ist so alt wie die Arbeit mit dem Pferd am Rind. Be­reits die spanischen Eroberer brachten ein lassoartiges Le­derseil nach Mexiko. Mit dieser aus Rohhaut oder Leder gefer­tigten Reata (zwischen 12 und 20 Meter lang!) lernten die damaligen mexikanischen Kuhhirten, die Vaqueros recht schnell umzugehen. Es entwickelten sich Techniken Rinder auf schnellste Art und Weise einzufangen. Das Lasso (span. Lazo – Schlinge) wurde bald zum Hand­werkszeug eines jeden Vaqueros auf den riesigen Haciendas.

Auch die amerikanichen Cowboys, damals Buckeroos ge­nannt, erkannte wie nützlich dieses Rope bei der täglichen Arbeit mit den Kälbern ist. Man verbesserte nicht nur die Ropes, sondern natürlich auch die Wurftechniken und schon bald wurde aus der täglichen Arbeit ein Sport: Wer fängt am schnellsten! Wo zu Anfang noch Leder oder Rohhaut als Material dienten, kam man schon bald über Hanf zu Kunst­fasern wie Nylon oder Polyester. Ziel ist es die Ropes nicht nur stabil, sonder auch „schnell“ zu machen.

Die Disziplinen

Heute unterscheidet man grundsätzlich in drei Disziplinen: das Calf-Roping, Ranch Roping und das Dally-Team-Roping . Das Team Roping entstand aus der Prämisse ein Tier fangen zu müssen, das zu groß und zu kräftig ist, als dass es ein Cowboy bzw. dessen Pferd alleine halten könnte. Hier ist die Teamarbeit gefragt. Der sogenannte Header versucht den Kopf bzw. die Hörner des Rinds einzufangen. Ist ihm dies gelungen, ist der Heeler an der Reihe. Ziel seiner ganz speziellen Wurftechnik (die Schlinge „steht“ auf dem Boden) sind die Hinterbeine. Beide wickeln ihr Rope nach dem Wurf um das Sattelhorn, um somit durch den beidseitigen Zug das Rind oder den Stier halten zu können. Dieses Wickeln gab dieser Disziplin seinen Namen. Wie so vieles hat auch das Dally-Team Roping seinen Ursprung im spanischen. Dally ist die amerikanische Kurzform für „dar la vuetta“, das soviel wie Wickeln oder Drehen bedeutet. Dieses Dally bezeich­net eben diese Technik, nach dem Fanges eines Kalbes das Lasso blitzschnell um das Sattelhorn zu wickeln. So fixiert man das Rope und überträgt den Zug des gefangenen Tieres auf den Sattel und somit auf das Pferd. Früher konnte man ein solches gefangenes Tier verarzten, heute wird die Zeit gestoppt – „thats Sport!“ Bei schnellen Teams werden hier Zeiten unter 10 Sekunden erreicht!

Ähnlich ist es beim klassischen Calf Roping. Hier ist es aber nur ein Cowboy, der versucht in schnellstmöglicher Zeit ein Kalb mit dem Rope einzufangen. Während in den USA und Deutschland die Richtlinien beim Teamropen identisch sind, gibt es beim Calf Roping doch Unterschiede. In den Staaten springt der Cowboy nach dem geglückten „Catch“ aus dem Sattel, sein Pferd stoppt durch den auftretenden Zug am Lasso das Kalb und der Cowboy wirft es zu Boden. Nun ist seine Aufgabe drei Beine mit einem kurzen Seil zu fesseln. Um dem Tierschutz gerecht zu werden, ropen wir hier in Deutschland „Break A Way“. Hierzu wird das Ende des Ropes mit einem dünnen Baumwollfaden an Sattelhorn befestigt. Dieser und somit das Lasso reißen ab, sobald sich dieses spannt. Die zweite Variante ist eine sogenannte Break A Way Hon­da. Diese Honda (Laufschlinge des Ropes) öffnet sobald Zug auf die Schlinge kommt. Hierdurch ist gewährleistet, dass sich kein Kalb ver­letzen kann. Die Zeit wird gestoppt wenn der Bindfaden reißt, bzw. sich die Honda öffnet. Diese Zeit liegt bei sehr schnellen Catches oft nur um die 3 bis 4 Sekunden.

Ranch Roping

Erst in den letzten Jahren kam das sogenannte Ranch Roping als Disziplin hinzu, obwohl dies sicher die ursprünglichste Form des Roping ist. Hier ist es die Aufgabe des Cowboys/ Westernreiters ein Rind aus der Herde herauszufangen. Oft muß dieses zuerst aus dem Herdenverband separiert werden um es dann mit dem Rope arbeiten zu können. Gegenüber dem schnellen Ropen beim Teamroping ist hier vor allem auch der ruhige Umgang mit dem Rind und der Herde gefordert. Auch hier gilt es natürlich den Kopf oder die Hinterbeine (Heading und Heeling) einzufangen. Die vielen verschiedenen Wurftechniken geben aber die Möglichkeit dies aus weitaus mehr Entfernung zu praktizieren als beim Calf- oder Teamropen. Beim Ranchropen ist es wichtig die Herde ruhig zu halten.

Es gibt sehr viel Arten Wurf- und Schwungtechniken. Die Basis für alle diese Techniken sind aber sicherlich der  flat overhead – flach über dem Kopf geschwungenes Loop, der sidearm  – seitlich im ca 45° Winkel geschwungenes Loop und der tip over left shoulder – mit der Spitze der Loop über der linken Schulter gestelltes Loop. Je nach Technik ergeben sich hieraus auch Varianten wie z.B. der back hand head shot – ein rückwärts ausgeführter Wurf. Insgesamt gibt es ca. 30 verschiedene Wurfmöglichkeiten.

AQHA und GRRA

Roping ist in USA offizielle Disziplin der AQHA. Hier Deutsch­land ist sie Bestandteil der immer populärer werdenden Ranch Horse Versatility, einer Vielseitigkeitsprüfung der AQHA/DQHA. Hierbei kann der Turnierteilnehmer der DQHA wählen, ob er das Rind bei der Cow Work zirkelt oder wie in Amerika üblich ropt. Aber auch immer mehr freie Ranchhorse Turniere finden ihre Anhänger unter dem Motto: Back to the roots! Der neu gegründete Verband GRRA (German Ranch Riding Association) hat sich genau dieses Motto auf die Fahne geschrieben um jedem die Möglichkeit zu geben die Vielseitigkeit seines Westernpferdes (egal welche Rasse) unter Beweis zu stellen.

Das Pferd

Ähnlich wie bei der Rinderdisziplin Working Cowhorse ist für den Ropingsport (Team- & Calfroping) ein schnelles und wendiges Pferd wichtig. Es muss genügend Antritt haben um einem schnellen Kalb folgen zu können und dabei aber an leichten Hilfen stehen. Natürlich muss es auch über etwas Cowsence verfügen und sich selbstständig am Rind positionieren und auf dieses zu reagieren.

Beim Ranch Roping ist die Geschwindigkeit längst nicht so ausschlaggebend, da in erster Linie ruhig und mit weniger Speed gearbeitet. Aber dennoch sollte das Pferd an feinen Hilfen stehen und ausbalanciert sein. Gerrade für das Ranchroping eigenen sich Pferde aus allen Rassen.

Ein gutes Cowhorse wird auch mit weitaus mehr Aufrichtung geritten (altkalifornische Reitweise) als die meisten Westernpferde. Grund hierfür ist, dass die mehr Balance auf die Hinterhand bringt und das Pferd vorbereiter für schnelle Turns am Rind ist.

In der Ausbildung wird auch sehr viel Wert auf die Gelassenheit gelegt. Es kommt doch hin und wieder vor, dass ein Rind nicht gefangen wird und das Pferd in oder über das auf dem Boden liegen Rope läuft oder dieses das Pferd am Hals oder der Kruppe beim Wurf berührt.

 

Reiten am Gardasee

Wir Reiter wissen es schon lange: Wenn man auf dem Pferderücken sitzt, geht es einem sofort gut, egal welche Wehwehchen einen vorher noch gequält haben. Schließlich konzentriert man sich beim Reiten nur auf das Pferd und vergisst somit bald alles, was einen vorher noch bedrückt hat. Sobald man wieder in den eigenen vier Wänden ist, landet man zwar schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen, jedoch sind die Stunden im Stall eine Auszeit, die uns keiner nehmen kann.

Wenn die Urlaubszeit naht, fliegen die meisten trotzdem in den Sommer- und Strandurlaub, doch wer neben seelischer Entspannung auch aktiv sein möchte, sollte einen Reiturlaub in Erwägung ziehen. Besonders, wenn man sein eigenes Pferd mitnimmt, sind Reiseziele ohne weite Anfahrt am besten. Wer aber trotzdem nicht auf ein mediterranes Klima verzichten will, für den ist ein Aufenthalt am Lago di Garda in Italien ideal, denn das Wetter am Gardasee ist im Sommer zwar ausgezeichnet, jedoch wird es in den Alpengebieten nicht zu heiß, somit sind die Voraussetzungen perfekt für lange Ausritte auf dem Pferderücken. Außerdem ist die Landschaft der Region traumhaft und unheimlich abwechslungsreich, somit kommen weder bei Ihnen, noch bei Ihrem Pferd Langeweile auf. Es gibt zahlreiche Reitställe, die geführte Trekking- und Tagesritte sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene durchführen. Diese sind besonders im bergigen Norden des Sees aufzufinden, somit sollten Sie, wenn Sie mit Ihrem eigenen Pferd mitreiten möchten, sicher sein, dass es genug Kondition mitbringt und das unwegsame Gelände bewältigen kann. Interessant sind insbesondere einwöchige Pauschalangebote von Reiterhöfen, bei denen Sie in gemütlicher Atmosphäre auf dem Hof wohnen, von den italienischen Hausherren verköstigt werden und den fast ganzen Tag auf dem Pferderücken verbringen. Oft werden auch mehrtägige Wanderritte durchgeführt, bei denen Sie in einer kleinen Gruppe in den Bergen übernachten, Gebirgspässe überqueren und wunderschöne Täler erkunden. Die italienischen Pferde sind trittsicher, gelassen und darauf trainiert sehr lange Strecken zu gehen, somit ist es nicht zu empfehlen das eigene Pferd auf einem solchen Wanderritt zu reiten, außer natürlich, wenn es eine solche Belastung gewohnt ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die größten Pluspunkte des Gardasees das gute Wetter und die wunderschöne Natur sind. So werden Sie auf Ihren Ausritten in den Genuss von Weinbergen, Olivenplantagen, riesigen Felswänden und grasgrünen Almwiesen kommen und dabei hin und wieder einen atemberaubenden Blick auf den Gardasee genießen können.

 

 

 

 

 

Zirkuslektionen – mehr als nur ein bisschen Show

ZirkuspferdTeil I

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung a la “Ich bring meinem Pferd mal gerade was bei” bilden auch Zirkuslektionen ein vollwertiges Ausbildungssystem, das einer Ausbildungsskala folgt und korrekt ausgeführte Lektionen voraussetzt. Innerhalb dieses Systems gibt es zwar viel Gestaltungsfreiraum, aber dennoch gibt es einige Dinge, die man beachten sollte.

Um das System an sich und auch die einzelnen Lektionen soll sich hier nach und nach eine Reihe zum Thema Zirkuslektionen drehen. Jeder ist herzlich eingeladen auszuprobieren und seine Erfahrungen, Anregungen und Ideen in Form von Kommentaren beizutragen.

Voraussetzungen

Wie schon gesagt, Zirkuslektionen sind mehr als nur planlos herumalbern oder irgendwie irgendwelche Verrenkungen auszuführen. Sie bilden ein vollwertiges Ausbildungssystem mit einer Ausbildungsskala, mit der man sich auseinandersetzen sollte. Keine Zirkuslektion lernt sich so mal eben nebenbei.

Die möglichst optimale Vorbereitung des Pferdes sollte dabei stets ein Anliegen sein.. Nur dann werden Abläufe und Lektionen korrekt erlernt. Das ist wichtig, denn all diese Lektionen belasten den Bewegungsapparat. Ohne eine gute Vorarbeit und eine Aufwärmphase sind Verletzungen vorprogrammiert. Eine sinnvolle Gymnastizierung lässt sich zudem nur durch korrekte saubere Ausführung erzielen.

Aus diesem Grund sollte jedes Pferd zuvor am Boden eine gewisse Grunderziehung erhalten haben. Nach welchem System (z.B. Parelli, Tellington etc) diese erfolgt ist hierbei absolut nebensächlich. Wichtig ist nur, dass der Ausbilder sich für eine klare Linie entscheidet um das Pferd nicht zu verunsichern.

Zu dieser Grunderziehung gehören u.a. auch die folgenden Punkte:

  • Führen im Schritt und Trab
  • Führen auf Abstand (das Pferd läuft in einem vom Ausbilder bestimmten Abstand neben dem Ausbilder her)
  • Halten und Stehenbleiben aus jeder möglichen Situation heraus
  • Rückwärtsrichten
  • Übergänge zwischen allen Gangarten auf Kommando
  • Stangenarbeit in allen nur denkbaren Varianten (fördert Koordination, Aufmerksamkeit und Gehorsam)
  • absolute Angstfreiheit im Bezug auf die Gerte

Das Erarbeiten dieser Punkte kann durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen. Aber mit so einer fundierten Basis arbeitet es sich später nicht nur leichter sondern auch sicherer!

Durch die Grundausbildung lernen die Pferde dem Ausbilder gegenüber aufmerksam zu bleiben, ihre Beine zu koordinieren und auf feinfühlige Hilfen zu reagieren.

Ein paar Hinweise

Es gibt immer Lektionen, die sich nicht für jedes Pferd eignen. Genau wie wir Menschen haben auch Pferde verschiedene Talente und Vorlieben. Es sollte uns daher im Laufe der Ausbildung immer ein Anliegen sein diese zu erkennen und zu fördern um Motivation und Spaß zu erhalten. Des weiteren erweisen sich bei einigen Charakteren manche Lektionen als absolutes No-Go. Pferde, die die Rangordnung immer wieder auch dem Menschen gegenüber in Frage stellen, sollten zum Beispiel nicht unbedingt in Lektionen wie Steigen gearbeitet werden bevor dieses Problem nicht anhaltend behoben ist um eine solche Problematik nicht unnötig zu verstärken.

Wichtig ist, dass man stets eine genaue Vorstellung davon hat, was man möchte und wie man zum Ziel kommt bevor man mit der gemeinsamen Arbeit beginnt. Einfach loslegen und gucken was passiert ist keine erstrebenswerte Alternative. Bevor man eine Lektion erarbeitet, sollte man daher bereits über sinnvolle Hilfen nachdenken. Um ein ungewolltes Abspulen von erlernten Lektionen im alltäglichen Umgang zu vermeiden, ist es wichtig Stimm- und Gertenhilfen sowie Körpersprache immer zusammen zu verwenden. So lernt das Pferd eine Lektion erst dann auszuführen, wenn alle drei Hilfen zusammen gegeben werden. Das verhindert unter Umständen Unfälle durch Missverständnisse. Mit der Zeit und dem kommenden Feinschliff verfeinern sich die Hilfen und das mit der Lektion verbundene Stimmkommando wird nach und nach an Bedeutung verlieren, je präziser die Körpersprache des Ausbilders wird. Dies bedeutet natürlich auch, dass er mit selbiger äußerst bewusst umgehen muss.

Die Reihenfolge der zirzensischen Lektionen leitet sich aus dem natürlichen Bewegungsablauf des Pferdes ab. Beobachtet man ein Pferd und sein Verhalten z.B. auf der Weide, wird man viele Lektionen bereits „erahnen“ können. Wer einmal gesehen hat in welchen Schritten sich ein Pferd zum Wälzen ablegt und wieder aufsteht oder welche „Verrenkungen“ Pferde machen, wenn sie gemeinsam spielen, der wird schnell merken wie Zirkuslektionen entstanden sind. Man nimmt natürliche Bewegungsabläufe und versucht in kleinen Ausbildungsschritten diese zu verzögern oder gar anzuhalten. Grundsätzlich werden dabei zunächst erst Lektionen „nach unten“ (wie Kompliment) erlernt und dann Lektionen „nach oben“ (z.B. spanischer Schritt). Die Lektionen über dem Boden entstammen dem Imponier- und Dominanzverhalten der Pferde und sollten daher erst erarbeitet werden, wenn erste Lektionen am Boden sitzen. So wird das Risiko im Bezug auf Rangordnungsdiskussionen von vorneherein minimiert.

Wie in vielen Reitlehren auch gibt es auch bei Zirkuslektionen kein Patentrezept. Viele Wege führen nach Rom und oft ist es vom Pferd abhängig, welchen man wählt. Bei eigener Unsicherheit empfiehlt es sich immer auf einen erfahrenen Ausbilder zurückzugreifen.

Bevor es endlich losgehen kann…

Das Zirkuslektionen einer Art Ausbildungsskala folgen und körperlich anstrengend für das Pferd sind, scheinen in der Tat wenige zu begreifen. Man kann es mit Kunstturnen vergleichen. Die Turner wärmen sich auch auf bevor sie einen Standspagat auf der Turnmatte machen. Auch ein Pferd sollte sich daher vorher aufwärmen – dem Mensch kann das übrigens auch nicht schaden!

Futterlob wird von vielen mit Skepsis betrachtet. Letztendlich ist es jedoch tatsächlich einfach eine Sache der Konsequenz. Wenn Pferde merken, dass es nur eine Belohnung gibt, wenn auch vorher ein Kommando kam, merken sie sich das recht schnell. Ein Leckerli zwischendurch gibt es nicht, am Anbinder schonmal gar nicht und so wird ein Drang zu betteln gar nicht erst erzeugt. Statt Leckerlis eignen sich auch Möhren oder kleine Stücke getrocknetes Brot.

Wechselspiel beim Reiten

WechselspielNeulich stieß ich in einem Forum auf folgendes Problem.

X fragte, ob (einseitiges [A.M.]) riegeln schon ist, wenn man den äußeren Zügel annehme (also außen gegenhalte) und den inneren im „Takt“ annehme und wieder nachgebe.

Prinzipiell stelle ich mir hier doch erst einmal die Frage, wie das “außen GEGENHALTEN und innen stellen” zu verstehen ist.

In meiner ganzen Abhandlung gehe ich davon aus, dass Paraden bevorzugt über Sitz und Schenkel geritten, und mit der Hand lediglich unterstützt werden.

Vielen Reitanfängern – und auch manchen Fortgeschrittenen – ist das Wechselspiel zwischen annehmender und nachgebender Zügelhilfe unklar und es kann infolge dessen zum (einseitigen) Riegeln kommen. Enorm wichtig ist die nachgebende Hand. Dies bekommen Reiter und Pferd im Laufe der Ausbildung immer deutlicher zu spüren; viele Reiter geraten aufgrund der Komplexität des Themas an Koordinations- und Verständnisgrenzen. Aber das ist gar nicht so schlimm (und nach dem Artikel hoffentlich etwas verständlicher), denn das Pferd lernt einfach mit! Reiten ist ja schließlich Teamsport.

Natürlich sollte das Stellen mit weicher und trotzdem steter Verbindung zum Pferdemaul geschehen – denn eine stete Verbindung zum Pferdemaul geht in der Bewegung, die das Pferd ja durch sein Nicken, gerade im Schritt, vorgibt, mit, sie folgt.
Der Fokus sollte hierbei jedoch immer auf dem Nachgeben der Reiterhand bestehen, denn eine harte Hand würde immer durchhalten wollen um das Pferd wortwörtlich auf seine Seite zu ZIEHEN. Um nach dem Stellen innen wieder nachgeben zu können, muss die Verbindung am äußeren Zügel gegeben sein.

Stellen ist, wie jede Parade auch (Stellen ist eine Parade!) – jetzt nur die Reiterhand betrachtend- ein Wechselspiel zwischen annehmen und nachgeben, wobei das nachgeben einen enormen Stellenwert hat.
Mit “Kraft” zu reiten heißt auch nicht zwingend gleich riegeln, denn jedes Pferd ist anderes: Manche reagieren auf weiche (Zügel-)Hilfen, manche eben weniger. Das ist eventuell auch rasse- und auf jeden Fall charakterbedingt. Wichtig ist, egal ob innen oder außen, das NACHGEBEN auf die annehmende Zügelhilfe. Denn eine solche weiche, nachgebende Hand wirkt nicht hart, auch wenn sie mit “Kraft” ausgeführt scheint (vielleicht ist diese “Kraft” bei diesem Pferd nötig, da es sonst -erstmal- nicht reagiert?).
Mit “Kraft” reiten ist nicht gleich riegeln.

Hieraus leitet sich meine Interpretation des “außen GEGENHALTNS” ab:
Man muss sich immer fragen, inwiefern und vor allem WIE LANGE man außen gegenhält.
Gegenhalten ist nötig, damit sich das Pferd am Gebiss abstoßen kann, damit es nicht ausbricht uvm. Nur muss man, wenn es reagiert, eine Millisekunde später auch wieder NACHGEBEN. Man darf nie im Gegenhalten, also in der Parade, steckenbleiben, die Verbindung muss immer weich sein. Mitunter stört man mit dauerndem Gegenhalten das Pferd ja auch in seinem Gang. Erst kommt der Takt, darauf folgen Losgelassenheit und schließlich die Anlehnung; das heißt, wenn der Takt hergestellt ist (das Pferd findet ihn von allein, mit der Reiterhand zu stören ist deshalb völlig unnötig!) und man ihn durch die nachgebende (eine nachgebende Hand geht in der Pferdebewegung mit!) Hand fördert, dann wird das Pferd die Anlehnung suchen und der Reiter gestattet sie – durch Reiten auf gebogenen Linien kann er anfangen, Stellung zu fordern und die Biegung zu verbessern. Hierbei ist es wichtig, dass der Reiter weiß, wann er wo (also innen oder außen) wie viel annehmen muss (immer soviel nachgeben, wie angenommen wurde). Und seine Hilfen gezielt einsetze.

Das Wörtchen nachgeben soll bildlich verdeutlichen (sofern man sich das vorstellen kann), dass der Reiter nach dem Annehmen eben nicht in der Bewegung stecken bleibt, sondern einfach wieder weich wird und der Pferdebewegung – im Idealfall nach vorwärts-abwärts – folgt, eben um einseitiges Riegeln zu verhindern. Nachgeben heißt ja nicht alles wegschmeißen!

Verbreitetet ist auch die Vorstellung, dass der äußere Zügel wie ein Ausbinder sein soll.
Der Ausbinder selbst kann nicht nachgeben, das Pferd sucht das Nachgeben, in dem es selbst, gezwungenermaßen, im Genick nachgibt. Dieses imaginäre Bild vermittelt meiner Meinung nach ein verfälschtes Bild vom Wechselspiel „Annehmen und Nachgeben“, denn wenn ein Pferdchen trabt, dann ruckt der Ausbinder im Maul wenn es im Genick nachgibt. Dieser fängt dann an, “vorzugehen”, durchzuhängen. Prinzipiell richtig, denn der Reiter bekommt vermittelt: „Meine äußere Hand ist der Ausbinder, ich muss nach dem Annehmen vorgehen (nachgeben), dann geht mein Pferdchen durchs Genick.“ Gibt der Reiter nach, gibt auch das Pferd nach, denn es reagiert ja nur.
Die Richtung stimmt, nur darf nicht alles nach vorne weggeschmiessen werden.
Die Mischung machts! Der äußere Zügel führt in der Wendung, ist aber niemals starr.

Riegeln hat für mich auch sehr viel mit der “stetig durchhaltenden, rückwärtswirkenden Hand” zu tun, denn nicht jedes Annehmen, das mit Kraft verbunden ist (siehe Abschnitt: Jedes Pferd ist anders) ist für mich gleich riegeln.

Das Nachgeben an beiden “Zügelhänden”, sprich beim innen stellen UND bei außen gegenhalten, darf keinesfalls außer Acht gelassen werden, denn hieran entscheidet sich mitunter auch, ob man das Riegeln nennen kann oder nicht.
Entscheidend ist – neben der Frage, wie lange gegengehalten oder angenommen wird -, ob auf die annehmende Zügelhilfe eine nachgebende folgt!
Deshalb müssen wir Reiter uns bei jedem Ritt, bei jeder Wendung fragen: „Ich halte außen gegen, aber gebe ich auch wieder nach, sobald mein Pferd reagiert?“

Falls letzterer Frageteil mit „Ja“ beantwortet werden kann, ist man auf dem richtigen Weg oder hat ihn vielleicht schon gefunden.

 

Jump & Dog

Jump DogEine sogenannte „Fun-Prüfung“, die sich auf immer mehr Turnieren großer Beliebtheit erfreut und den Zuschauern eine gute Unterhaltung bietet!

Eine Mannschaft besteht aus einem Reiter mit Pferd und einem Läufer mit Hund.

Ähnlich wie in der vielleicht bekannteren „Jump & Drive“ Prüfung absolviert der Reiter mit seinem Pferd einen Parcours von ca. 6 Hindernissen, wobei die maximale Hindernisshöhe ca. 60 cm beträgt.

Nach dem letzten Hindernis muss der Reiter zu einem Haltepunkt, bzw. in ein vorgegebenes Feld reiten, dort absteigen und sein Pferd an einen Helfer übergeben.
Dann läuft er mit einer Gerte als Staffelstab eine vorgegebene Strecke bis zu einem bestimmten Punkt, wo der Hundeführer mit seinem Hund wartet und den Staffelstab (Gerte) übernimmt.

Nun ist es an dem Läufer, zusammen mit seinem Hund ebenfalls eine Anzahl von Hindernissen zu überwinden, oder bestimmte Aufgabenstellungen zu lösen (z.B. Slalom, über Strohballen laufen etc.).

Gewonnen hat die Mannschaft mit der besten Gesamtzeit, wobei eine Verweigerung, sowohl beim Pferd als auch beim Hund sich selbst bestraft, ein Hindernissfehler, egal ob vom Pferd, Läufer oder Hund, wird mit jeweils 5 Sekunden auf die Gesamtzeit bestraft.

Bei der Aufgabestellung ist der Phantasie des Veranstalters keine Grenze gesetzt.

Spaß und Freude ist für alle Beteiligten garantiert!

 

 

 

REITTV-News vom 13.08.2012

Auch nach den Olympischen Spielen lassen die deutschen Vielseitigkeitsreiter Gold regnen. Im schwedischen Malmö wurde am Wochenende die FEI Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft, sowie die Europameisterschaft der jungen Vielseitigkeitsreiter ausgetragen. Neben Frank und Andreas Ostholt, ritten unter anderem auch die Olympia-Gewinner Dirk Schrade und Ingrid Klimke um den Weltmeister-Titel. Nach Dressur und Gelände stand die Münsteranerin Klimke auf dem ersten Platz. Diesen ließen sie und ihr Nachwuchspferd Tabasco sich auch nach dem abschließenden Parcours nicht mehr nehmen.

Zweiter wurde Dirk Schrade, auf dem dritten Platz landete Sara Algotsson-Ostholt.

Bei der Europameisterschaft der jungen Reiter ging es neben der Einzelwertung auch um die Teamwertung. Nach Dressur und Gelände lag das deutsche Team knapp vor den Franzosen.

Im Parcours ritt sich das deutsche Team, zu dem unter anderem auch REITTV.de Cup-Teilnehmerinnen Jana Weyers und Pia Münker gehören, an die Spitze.

Neben der Teammedaille gewann die deutsche Meisterin der jungen Vielseitigkeitsreiter Pia Münker auch die Einzelmedaille und damit den Titel der Europameisterin.

Einen ausführlichen Bericht, mit spannenden Bildern und Interviews der Sieger sehen Sie in der nächsten Sendung von REITTV, am 18.08. auf Sport1.